View Full Version : Volkslexikon Drittes Reich
Richter Freisler
11-06-2005, 02:27 PM
Anschluss Österreichs war die Vereinigung mit dem Deutschen Reich nach dem 13.03.1938. Bereits seit 1918 nahmen in Österreich immer mehr Menschen den Gedanken auf, das Land mit dem Deutschen Reich wiederzuvereinigen. Nach ersten Volksabstimmungen darüber (Tirol 24.04.1921, Salzburg 29.05.1921) mit über 98% für den Anschluss verboten die Alliierten weitere. Diese als Anschlussbewegung bezeichnenden Strömungen nahmen nach der Entlassung der nationalsozialistischen Mitglieder und Anhänger aus den Anhaltelagern ab 1936 noch zu. Diese Bewegung stellte die österreichische Regierung unter Schuschnigg Ende 1937 neue Unterdrückungen der NSDAP entgegen. Am 12.02.1938 wu7rden diese Einschränkungen der Partei wieder zurückgenommen , nachdem Schuschnigg und Hitler das Berchtesgadener Abkommen unterzeichnet hatten. Nun wurde der prodeutsche Politiker Syß-Inquart österreichischer Innenminister, und die Anschlussbewegung bekam wieder Auftrieb. Am 9.03.1938 kündete völlig überraschend Schuschnigg eine Volksabstimmung an, die bereits am 13.03.1938 stattfinden sollte. Die Bedingungen für diese Volksabstimmung waren von ihm so geschickt gewählt, dass sie eigentlich nur dazu dienen konnte, die weitere Selbstständigkeit Österreichs zu bestätigen, obwohl inzwischen die Mehrheit der Bürger den Wunsch hatte, dem Deutschen Reich anzugehören. So kam es zu Demonstrationen und öffentlichen Empörungen, und Schuschnigg setzte am 11.03.1938 die Volksabstimmung wieder ab, gleichzeitig trat er zurück. Nun war der Weg für Seyß-Inquart frei. Es übernahmen dann auch in allen österreichischen Bundesländern die Nationalsozialisten die Verwaltung. Die Grenze wurde von Seiten des Deutschen Reiches gesperrt, und Seyß-Inquart richtete eine abgesprochene Aufforderung zur Entsendung deutscher Truppen an Berlin, die am Morgen des 12.03.1938 einrückten. Hierbei handelte es sich um ein völlig friedensmäßiges Einmarschieren mit Musikzügen voran. Die österreichische Bevölkerung begrüßte die Truppe jubelnd und bewarf sie vor Freude mit Blumen, was diesem Einmarsch auch den Beinamen Blumenkrieg einbrachte. Noch am selben Tag erklärte Adolf Hitler in einer Rundfunkrede das nationalsozialistische Deutsch-Österreich. Am 13.03.1938 beschlossen dann die deutsche Regierung und die in Wien gleichzeitig das Anschlussgesetz, offizieller Name „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“. Es trat bereits einen Tag später in Kraft und wurde von der Mehrzahl der Österreicher begrüßt. Am 15.03.1938 fand in Wien eine große Kundgebung statt, bei der reichsdeutsche und österreichische Truppen sich vereinigten und in einer gemeinsamen Parade vor Hitler und Seyß-Inquart aufmarschierten. Am 10.04.1938 ließ Hitler sich diesen Anschluss vom nunmehr gesamten deutschen Volk bestätigen, wobei sich im Reich 99% und in Österreich sogar 99,7% für diesen Anschluss aussprachen. So war aus Österreich nun die Ostmark des Deutschen Reiches geworden. Die anderen Staaten der Welt legten dagegen keinen Protest ein, einzig Mexiko tat dies. 1945 wurde der Anschluss Österreichs von den Alliierten wieder aufgehoben, ohne die Bevölkerung zu befragen.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich
Richter Freisler
11-06-2005, 02:30 PM
Alpenfestung. Anfang September 1944 kam dem deutschen SD erstmals der Bericht eines US-Agenten aus der Schweiz in die Finger, der über gewaltige Befestigungsanlagen im Alpengebiet berichtete. Um einer alliierten Zerstörung aus der Luft zu entgehen , hätten die Deutschen um die wichtigsten Verteidigungsanlagen herum große Kriegsgefangenenlager angelegt, in denen alliierte Offiziere und Mannschaften inhaftiert seien. SS-Sturmbannführer Hans Gontard in Bregenz erhielt den Bericht zuerst und las ihn höchst belustigend. Er berichtete dem Gauleiter Franz Hofer über diese Unterlagen, der es ebenfalls für einen üblen Scherz hielt. Zur selben Zeit schloß ein Pionier-Erkundungsstab des OKW unter der Leitung des Generals August Marcinkiewicz im Alpengebiet eine Untersuchung ab und kam dabei zu dem Ergebnis , dass der Nordteil der Alpen völlig schutzlos sei, während in den Dolomiten und in Vorarlberg alte Weltkrieg-1-Stellungen besetzt werden könnten. Auch von diesem Bericht erfuhr Gaulleiter Hofer und arbeitete nun seinerseits eine Studie zur Befestigung der Alpen aus. Hierfür beantragte er am 3.11.1944 beim Führerhauptquartier entsprechenden Vollmachten und benötigtes Material sowie den Befehl zum sofortigen Ausbau der Nordalpen. Am12.11.1944 erschien in der „New York Times“ ein Artikel des Londoner Korrespondenten Harry Vosser unter dem Titel: „ Hitlers Hide away“, „Hitlers Unterschlupf“). Der Artikel schloss mit den Worten: „ ...ist der gesamte Bezirk in einer Breite von 15 Meilen und einer Länge von 21 Meilen vermint und kann gesprengt werden durch den Fingerdruck auf nur einen einzigen Knopf. Man sagt, dass dieser schicksalhafte Knopf sich am Schreibtisch in Himmlers unterirdischen Arbeitszimmer befindet, das in einem Stollen unterhalb des Führer-Bungalows liegt.“ Dies dürfte der erste einer Vielzahl nun folgender Meldungen und Presseartikel gewesen sein, die sich weltweit bis Anfang Mai ohne jeden wirklichen Hintergrund mit der nun so genannten Alpenfestung beschäftigten. Im November oder Dezember 1944 beschloss Dr. Joseph Goebbels, die Meldungen für sich zu nutzen. Im Propagandaministerium wurde ein „Sonderreferat Alpenfestung“ ins Leben gerufen, das nur die eine Aufgabe hatte, die Alpen vor aller Öffentlichkeit als waffenstrotzende , von Elitesoldaten besetzte, bestens versorgte und somit nahezu uneinnehmbare Überfestung aufzubauen. Der SD machte ebenfalls mit und spielte den US-Spionen detaillierte Pläne von Bauten und Überwaffen zu. Im Februar 1945 begannen dann auch tatsächlich Bauarbeiten, allerdings mit nur 2.500 Fremdarbeitern und wenig Material. Zur selben Zeit wurden Meldungen lanciert, dass in Bad Ausseee, dem sogenannten Hauptquartier der „deutschen Guerillas“, eine Massenaktion anlaufe, in der die SS- und HJ-Elite vereint sei, um den Kampf in den Alpen fortzusetzen. In dieses Konzept passte für alle ausländischen Agenten natürlich auch, dass Ernst Kaltenbrunner nun Sicherheitschef für Süddeutschland wurde. Alle diese Presseberichte und Rundfunkmeldungen blieben natürlich auch der deutschen NS-Spitze nicht verborgen. Bald wimmelte es in der Alpenregion und dem Voralpengebiet nur so von Ministerien, Verwaltungsapparaten, Führungsstäben, Luftwaffen- und Zivilpersonen und deren Anhang; was sich hingegen kaum in dem Gebiet finden ließ, waren Kampftruppen, Munition uund die zu einer solchen Verteidigung nötigen schweren Waffen aller Art. Otto Skorzeny wurde nun erst mit dem Aufbau eines „SS-Schutzkorps Alpenland“ kurz Alpenschutzkorps, beauftragt, konnte diese Aufgabe aber unmöglich erfüllen. Er zog sich deshalb zu Kaltenbrunner nach Bad Aussee zurück, wo sich inzwischen die wichtigsten Abteilungen der RSHA befanden, sowie die gesamte Gestapo-Spitze mit Ausnahme Himmlers. Viele andere Größen des Reiches versammelten sich nun auch dort: Robert Ley, Julius Streicher, Konrad Henlein, Adolf Eichmann und Dr. Wilhelm Höttl waren unter ihnen. Herrmann Göring saß derweil in Berchtesgarden unter Hausarrest. Auch führende Militärs zog es plötzlich in die Nähe der SS. So saßen die Generalfeldmarschälle von Rundstedt, List, Kesselring und Ritter von Leeb in Bayern und wurden dort von den einrückenden US-Besatzern gefangengenommen. Auf der Elendsalm fiel den Amerikanern Reinhard Gehlen mit seinen Dokumenten und Archiven in die Finger, und in einem alten Salzbergwerk bei Altaussee fanden sie mehr als 1.500 große Kisten mit Kunstschätzen, nur eine waffenstarrende Alpenfestung fanden sie nicht, obwohl sie noch wochen- und monatelang danach suchten. Es wurde nach Kriegsende viel und oft gemutmaßt, ob die Propaganda-Ente Alpenfestung den Vormarsch der Amerikaner aufgehalten habe oder nicht; für die Teilung Deutschlands war es jedoch völlig unerheblich, denn sie wurde bereits lange vorher festgelegt.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 26, 27
Jüdische Kriegshetze. Unter diesem Sammelbegriff verstand man die Äußerungen zahlreicher einflussreicher Juden, aber auch jüdischer Verbände weltweit nach der Machtergreifung im Jahre 1933 gegen Hitler und das Deutsche Reich. Vor allem in den USA und Großbritannien wurden die Stimmen immer lauter, die zum Boykott Deutschlands aufriefen und letztendlich sogar in offenen Kriegserklärungen gipfelten. So veröffentlichte die britische Zeitung „Daily Express“ am 24.3.1933 auf der Titelseite einen Bericht, der überschrieben war:“ Judäa erklärt Deutschland den Krieg“. Im weiteren Verlauf des Artikels wurde geschildert , wie alle Juden weltweit dem Deutschen Reich einen Wirtschafts- und Finanzkrieg erklärten. Gleichzeitig fanden in den amerikanischen Großstädten jüdische Demonstrationen gegen Deutschland statt. Dies führte auf deutscher Seite zum allgemeinen Boykott jüdischer Geschäfte, Judenboykott, im gesamten Reichsgebiet am 1.4.1933, bei dem SA-Männer als Wachen vor Geschäften aufzogen, dort aber nur an diesem Tage verblieben und nicht, wie nach Kriegsende behauptet, während der Dauer des Deutschen Reichs.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon, Drittes Reich, S. 392
Auschwitz, Name des größten deutschen Konzentrationslagers. Bei der Stadt Auschwitz, polnisch Oswiecim, einer Kreisstadt in der Woiwodschaft Krakau, begann man ab 1940 mit der Errichtung eines Konzentrationslagers, das bald auf 3 Hauptlager mit insgesamt 39 Nebenlagern und zahlreichen Außenstellen erweitert wurde. Die 3 Hauptlager untergliederten sich in A I Stammlager, A II Lager Birkenau und A III Lager Manowitz. Ab Kriegsende kursierten dann die wildesten Gerüchte über die Zahl der jüdischen Toten in diesem Lager. Schätzungen in der sogenannten Fachliteratur reichten von 500.000 laut Dr. Kurt Zentner, über 2,5 Millionen bei Janusz Piekalkiewitcz bis hin zu 4 Millionen laut Christian Zentner. Dass diese Zahlen äußerst fraglich sind, ergab sich im Frühjahr 1990, als im Rahmen von Glasnost und Perestroika unter Gorbatschow in der UdSSR einige historische Quellen geöffnet wurden. So erhielt das Internationale Rote Kreuz die erhalten gebliebene Totenliste des Lagers Auschwitz, die rund 82.000 Personen ausweist, wobei aber nicht alle Tote jüdischer Herkunft waren. 74.000 der Toten waren Häftlinge, 12.000 gehörten dem Bewachungspersonal an. Daraufhin wurde die dortigen Inschriften mit 4 Millionen Toten entfernt.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 50
Nemmersdorf, Name eines kleinen ostpreußischen Dorfes, das bereits am 20.10.1944 von der Sowjetarmee eingenommen wurde. Nachdem die Wiedereroberung den deutschen Truppen gelungen war, zeigte sich den Soldaten und den später hinzugerufenen ausländischen Journalisten und Ärzten ein fürchterliches Massaker an der Zivilbevölkerung und an mehr als 50 ausländischen Kriegsgefangenen. Frauen, darunter weltliche und Ordensschwestern, waren vergewaltigt und an Tische , Holzwände oder Scheunentore genagelt worden. Kleine Kinder waren erschlagen oder zu Tode getreten und vieles mehr. Die Bilder dieser Gräueltaten lösten bald darauf die große Massenflucht der Deutschen aus Ostpreußen aus und wurden auch in der Weltpresse mit Abscheu gezeigt.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 573
Augenzeugenbericht bzgl. der Besetzung der deutschen Stadt Rössel durch Sowjetsoldaten.
http://www.art-smagon.com/art048.gif
Auszug:
"Die Vergewaltigungen nahmen ein unvorstellbares Ausmaß an. Nach meinen Erfahrungen darf ich behaupten, daß vonden Frauen und Mädchen zwischen 50 und 15 Jahren nur 10% verschont geblieben sind. Der Russe machte vor nichts halt: Greisinnen (bis 80 Jahre), Kinder (bis 10 Jahre abwärts), Hochschwangere und Wöchnerinnen. Die Vergewaltigungen gingen unter den widerlichsten Umständen vor sich. Die Russen überfielen häufig schon tags die Frauen, vorwiegend aber nachts drangen sie durch die zerbrochenen Fenster oder durch die eingeschlagenen Türen, ja durch das abgedeckte Dach in die Häuser und stürzten sich auf die unglücklichen Frauen und Mädchen. Meist mit vorgehaltener Waffe. Häufig hielten sie die Pistolenmündung direkt in den Mund des unglücklichen Opfers. Häufig war es so (man sträubt sich, es zu schreiben), daß das weibliche Wesen von mehreren festgehalten wurde, während sich die Wüstlinge nacheinander bei der Vergewaltigung ablösten. So manche Frau ist anschließend erschossen worden (z.B. eine mir sehr gut bekannte Frau K.), eine andere (Frau D.) ist anschließend erschossen und dann noch mit dem Auto überfahren worden. Häufig wurden die Frauen bei der Vergewaltigung noch in übelster Weise geschlagen, gestochen oder sonst mißhandelt.
Ich glaube auch, daß nur ganz wenige Russen diese furchtbaren Verbrechen nicht mitgemacht haben. Es bestand da kaum ein Unterschied zwischen Offizier und gewöhnlichem Soldaten. Als ein 10jähriges Kind mit schweren Zerreißungen nach Vergewaltigung ins Krankenhaus gebracht wurde, wandte ich mich an den polnischen Dolmetscher bei der GPU, ob es denn gar keine Möglichkeit gäbe, diesem entsetzlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Daraufhin sagte er mir: „Anfangs war es erlaubt, da ist es natürlich schwer, es jetzt zu verbieten."
Nur in ganz seltenen Fällen gelang es, die Missetäter der Kommandantur zu übergeben. Sie wurden dann auf ein paar Stunden eingesperrt, womit der Fall für die russische Kommandantur erledigt war. Davon, daß einmal auch ein Mörder zur Verantwortung gezogen worden ist, weiß ich nichts. Die Verheerungen auf körperlichem und sittlichem Gebiet waren furchtbar."
"Häufig sind stillende Mütter von ihren Säuglingen fortgerissen worden, häufig Mütter von sechs und mehr Kindern......"
Eine umfassende Darstellung der Geschehnisse beim Einmarsch der Roten Armee ins Reichsgebiet gibt Joachim Hoffmann, Stalins Vernichtungskrieg 1941-1945, München 1999, 5. Aufl., S. 276-320
Richter Freisler
11-06-2005, 02:33 PM
Bolschewismus, die marxistisch-lenistische Weltanschauung in der Sowjetunion nach 1917.
"Bolschewiki" – auf deutsch: Mehrheitler – war eine von Lenin 1903 nach einem Abstimmungssieg über die "Menschewicki" – auf deutsch: Minderheitler – eingeführte Fraktionsbenennung für die russische Sozialdemokratische Partei. Nach dem Sieg der Bolschewisten in der russischen Revolution 1917 unter Lenin wurde die Bezeichnung als Oberbegriff für die Weltanschauung der sowjetischen Kommunisten verwendet. Für Deutschland, in dem die Sowjets Nach 1918 massiv die Räterepubliken und deren Versuche in München, Mitteldeutschland und ihm Ruhrgebiet unterstützt hatten, verband sich die Vorstellung vom Bolschewismus nicht nur mit dem bereits wissenschaftlich und praktisch widerlegten Marxismus, sondern auch mit dem unbeschreiblichen Gräueln, die die Bolschewisten in Russland verübt und der bürgerlichen Klasse auch in Deutschland androhten. Dazu kam die Tatsache, dass der weitaus größere Teil der bolschewistischen Führungsschicht aus Juden bestand, so dass vom jüdischen Bolschewismus gesprochen wurde. Das machte sich der Nationalsozialismus in seiner Propaganda gegen Marxismus und in der Bekämpfung des Kommunismus zu nutze. Hitler verstand seinen politischen Kampf vor allem als einen solchen gegen den Weltbolschewismus und den Ostfeldzug als die Verteidigung Europas gegen diesen. Nach den Vorgängen in Russland ab 1917 sah das deutsche Bürgertum im Bolschewismus die Verkörperung der Zerstörung aller Ordnung und jeder Kultur, den Feind allen Eigentums und das zerstörerische Element als solches. Im 2. Weltkrieg meldeten sich Hunderttausende Freiwillige aus allen Ländern Europas zum Kampf gegen den Bolschewismus im Osten. Allein dank der Hilfe der Westmächte, vor allem der USA mit ihren gewaltigen Güterlieferungen, gehörte der Bolschewismus unter Stalin zu den Mitsiegern des 2. Weltkrieges und konnte nach 1945 sein Terrorregime über ganz Ost- und Teile Mitteleuropas ausdehnen, bis es 1989 zum Zusammenbruch, dann zur Auflösung der Sowjetunion kam.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 93, 94
Nationalbolschewismus, Bezeichnung für eine politische Richtung, die im Gegensatz zum internationalistisch eingestellten Sowjetbolschewismus einen nationalen Kommunismus in Deutschland erstrebte. Dabei sollte eine kommunistische Gesellschaftsform eingeführt, jedoch Staat und Volk erhalten werden. Abwertend wurden als Nationalbolschewisten unberechtigt auch solche deutschen Politiker und Militärs bezeichnet, die in der Zwischenkriegszeit für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion eintraten, um unter den Bedingungen des Versailler Vertrages eine bessere politische und militärische Lage Deutschlands zu erreichen, ohne kommunistische Wirtschafts- oder Gesellschaftsformen einzuführen.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 563
Röhmputsch. Im Frühjahr 1934 sprach der SA-Führer Ernst Röhm öffentlich von einer "zweiten Revolution". Hitler erfuhr aus Kreisen der Reichswehr von Röhms Plänen, die SA zu bewaffnen, um somit eine zweite Macht, neben Reichswehr, im Staate zu schaffen. Am 5.5.1934 versuchte Hitler in einer Unterredung, Röhm von seinen Plänen abzubringen und ihn zu beruhigen. Röhm willigte ein. Wenige Tage später aber , am 10.3.1934, wandte Röhm sich in einer Kampfrede vor der SA gegen die NSDAP-Führung. Das brachte die Reichswehrführung in Bewegung, die eifersüchtig darauf achtete, einzige bewaffnete Macht des Staates zu bleiben. Am 21.6.1934 drohte der Reichswehrminister Werner von Blomberg Reichskanzler Hitler damit, den Ausnahmezustand zu verhängen und mit der Reichswehr die Macht im Deutschen Reich zu übernehmen. Zur Untermauerung der Drohung ordnete der Chef der Heeresleitung, Werner von Fritsch, am 25.6. 1934 die Alarmbereitschaft für die Reichswehr an. Nun war es an Hitler zu handeln. Röhm hatte für den 30.6.1934 eine SA-Führungstagung ins bayerische Bad Wiensee einberufen. Dort sah Hitler die günstige Möglichkeit, die gesamte SA-Führung mit einem Schlag mattzusetzen. Er mobilisierte in München die Leibstandarte SS Adolf Hitler und ließ durch Göring und Dr. Goebbels in Berlin SS und Polizei in Alarmbereitschaft versetzen. Der Plan gelang. Röhm und sein gesamter Stab, der zusammen mit homosexuellen Gespielen, wurden verhaftet und nach München-Stadelheim gebracht. Dort wurden manche SA-Führer ohne Urteil standrechtlich erschossen. Gleichzeitig leitete Göring die Aktion in Berlin, wo es auch Tote gab, unter ihnen Gregor Strasser und die Generale von Schleicher und von Bredow. Nun ernannte Hitler Viktor Lutze zum neuen Stabschef der SA. Erst am 13.7.1934 gab Hitler im Reichstag einen offiziellen Überblick über die Aktion, die er als "Putsch Röhms zur Übernahme der Macht im Staate" bezeichnete. So entstand der Begriff "Röhmputsch". Bei der gesamten Aktion wurden 19 höhere und 31 mittlere SA-Führer sowie 3 SS-Führer und 5 Parteigenossen hingerichtet. 13 SA-Führer wurden bei Widerstand erschossen, 3 SA-Führer begingen Selbstmord. Es kamen auch einige irrtümliche Erschießungen vor. Die amtliche Totenliste weist 83 Namen auf.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 701, 702
Arier ist die Bezeichnung für den Idealmenschen nach Vorstellung von NS-Ideologen. Dieser Arier sollte nur nordisch, reines Blut ohne artfremdes Rassenerbgut in sich haben. Nach Möglichkeit sollte er auch noch groß, schlank, blond und blauäugig sein. Dies stellte dann den Inbegriff der höheren Rasse dar. Im tatsächlichen Leben sowie im Amtgebrauch wurde mit Arier oder dem Begriff arisch jeder Volksgenosse bezeichnet, der mittels beglaubigtem Stammbaum nachweisen konnte, dass über Generationen hinweg keine jüdischen Vorfahren bekannt waren. Dies war vor allem dann wichtig, wenn man Beamter werden wollte oder sich als Freiwilliger bei der SS oder der Waffen-SS anbot.
Arierklausel. Im Rahmen der Maßnahmen, mit denen im Deutschen Reich alle Artfremden, insbesondere Juden, von öffentlichen Ämtern, Institutionen, und Behörden ferngehalten oder durch vorzeitige Pensionierung entfernt werden sollten, wurde am 03.07.1933 die Arierklausel für Beamte eingeführt. Sie schrieb vor, dass in der deutschen Beamtenschaft nur noch Arier tätig sein durften. Für eine Übergangszeit beließ man jüdische Beamte und solche mit teilweise jüdischen Eltern oder Großeltern noch im Dienst. Jeder Beamtenanwärter musste von nun an vor seiner Einstellung in den Dienst einen Ariernachweis erbringen. Die Arierklausel blieb bis Kriegsende in Kraft. Ihre Durchführung wurde mittels mehrfach geänderter Ausführungsbestimmungen geregelt. Arierklauseln gab es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Vereinigungen.
Ariersnachweis hieß der von 1933 bis 1945 in Deutschland für bestimmte Berufe benötigte Nachweis über die arische Abstammung. Es gab ihn in drei verschiedenen Versionen. Der kleine Ariernachweis ging bis zu dem Großeltern zurück, der große Ariernachweis, den man benötigte, um Beamter zu werden oder Führungspositionen in der Partei zu belegen, ging bis auf alle am 01.01.1800 lebenden Vorfahren zurück. Der Ariernachweis für die SS musste bis 1750 zurückgeforscht werden. Hierfür wurden SS-eigene Institutionen geschaffen. Die arische Abstammung wurde durch eine Ahnentafel oder Ahnenpass belegt.
Arisch, ursprünglich ein aus dem Sanskrit stammendes altindisches Wort. Arya bedeutet dort etwa Edler oder Edel und bezeichnete verschiedene Adels- und Herrschergeschlechter im vorasiatischen Raum. Arische Sprachen sind wissenschaftlich gesehen die Sprachen der Perser, Inder, Griechen, aber auch der Germanen. Hieraus wurden die Begriffe arisch und Arier als Begriffe für höherstehende Menschen bzw. höherstehende Rassen abgeleitet. Im normalen Dienstgebrauch des Deutschen Reiches war es der Begriff für das rein Deutsche, ohne jegliches fremde Blut.
Ariersierung oder arisieren nannte man die Enteignung von Gut, das vor der Machtergreifung im Jahre 1933 im Besitz von Juden oder anderen Nichtariern war. So gingen Häuser, Läden, Firmen, oder Güter in arischen Besitz über. Unter dem Deckmantel der Ariersierung bereicherten sich zahlreiche Parteigenossen gegen den Willen Hitlers , der bei Kenntnisnahme solcher Vorgänge die Verantwortlichen scharf verfolgen und aburteilen ließ. Ganz konnte aber auch er diese Machenschaften nicht verhindern.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 41
Richter Freisler
11-06-2005, 02:35 PM
Arado Ar 234 B Blitz, Typbezeichnung des ersten Düsenbombers der Welt, entwickelt in den deutschen Arado-Werken. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 740 km/h war das Flugzeug so schnell, dass es von keinem damaligen alliierten Jagdflugzeug eingeholt werden konnte. Zugunsten der aerodynamischen Form verzichteten die Konstrukteure auf das Fahrwerk. Das Flugzeug startete von einem dreirädrigen Wagen aus und landete ähnlich wie eine Segelflugzeug auf besonders entwickelten Kufen. Die Entwicklung begann 1940, und im Juni 1943 flog der erste Prototyp. Bis Kriegsende wurden aber nur wenige Maschinen gebaut, die allerdings zu einer Vielzahl von Einsätzen als Bomber und Aufklärer kamen. Technische Daten: Spannweite 14,40m, Länge 12,64 m, Startgewicht 9.800kg, Antrieb durch zwei Junkers Jumbo 109-004B-1 Düsen mit je 900 kp Standschub, Reichweite 1.630km, Bewaffnung bestand aus zwei 20mm-Kanonen, es konnten bis zu 1.500 kg Bomben zugeladen werden.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 37
Me 262 A-1 Schwalbe, Bezeichnung eines düsengetriebenen Jagdflugzeugs, das bei der Messerschmitt AG entwickelt wurde. Es war das erste jemals in Serie in Dienst gestellte strahlgetriebene Jagdlugzeug der Welt. Die Idee entstand 1938, als bei BMW und Junkers die ersten Turbo-Triebwerke entwickelt wurden. Die Messerschmitt AG erhielt den Auftrag, eine Flugzelle für diese Triebwerke zu konstruieren. 1939 war der erste Prototyp fertiggestellt, es folgten einige weitere 1940, doch die Flugwerte waren nicht gerade berauschend. So wurde die Entwicklung schleppend weitergeführt. Erst als im Juli 1942 das Jumbo Strahltriebwerk mit einem Standschub von 940 kp erschien, zeigten die damit ausgerüsteten Prototypen, was ein überschnelles Jagdflugzeug leisten konnte. Dennoch räumte das Reichsluftfahrtministerium dem Projekt keine großen Entwicklungsmöglichkeiten ein, da man davon ausging, den Krieg in wenigen Monaten mit den konventionellen Jagdflugzeugen gewinnen zu können. Bei einer Flugvorführung 1943 zeigte Hitler sich begeistert von dem neuen Flugzeug und sah darin seinen Blitzbomber. So wurde die letzte Gelegenheit vertan, mit der Me 262 eine Waffe gegen die immer stärker werdenden alliierten Bomberströme in die Hand zu bekommen. Der Versuch, mit der Me 262-1 ein Jagdflugzeug ab Mai 1944 in Serie zu bauen, wurde durch einen Befehl Hitlers bereits nach wenigen Wochen gestoppt, und alle Maschinen mussten mit Bombenvorrichtungen versehen werden. Diese Version erhielt die Bezeichnung Me262 A-2 Sturmvogel. Erst zu Beginn des Jahres 1945 gab Hitler dem Bau der Me 262 als Jagdflugzeugoberste Priorität, doch da war es bereits zu spät für dieses Muster, noch wirkungsvoll eingesetzt werden zu können, da Treibstoff nicht mehr in genügender Menge zur Verfügung stand und die wenigen Flugplätze unter Dauerangriffen der alliierten Jagdbomber lagen. Es wurde bis Kriegsende noch etwas mehr als 400 Maschinen hergestellt, von denen aber höchstens die Hälfte zu Kampfeinsätzen kam. Versuchweise entstanden verschiedene Versionen, so die Me 262B-1 als Nachjäger, die Me 262C als Jagdflugzeug, das mit Zusatzraketen versehen war, und die Versionen Me262D und E, die mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet waren. Daten: Spannweite 12,5 m, Länge 10,6 m, Höhe 3,8 m, Leergewicht 4.420kg, Fluggewicht 6.400 Kg, als Antrieb dienten zwei Jumbo 004B-1 Strahlturbinen mit je 865 km / h, Dienstgipfelhöhe 11.450 m, reichweite 1040 km, bewaffnet mit vier 30mm-Kanonen MK 108, teilweise auch Luft-Luft-Raketen.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 517, 518
Me 163 Komet, Bezeichnung für einen von Professor Willi Messerschmitt entwickelten deutschen Abfangjäger mit für die damalige Zeit phänomenalen Steigleistungen. Die Höhe von 10.000 m konnte in nur 2,5 Minuten erreicht werden. Dies ermöglichte der Raketenantrieb. Gestartet wurde die kleine Maschine von einem separaten Fahrwerk oder einer Abschussrampe aus. Die Landung erfolgte dann im Gleitflug auf festen Kufen. Nach diesem Grundprinzip finden auch die heutigen noch die Raumflüge des Space-Shuttles der NASA statt. Obwohl der Erstflug bereits im August 1941 stattfand, kam die Maschine erst Ende 1944 zur Truppe. In den Jahren 1941 / 42 legte die deutsche Wehrmachtsführung keinen besonderen Wert auf die Weiterentwicklung schneller Jagdflugzeuge, da man hoffte, durch den Sieg im Osten den Krieg rasch beenden zu können. Als endlich gegen Jahresende 1943 die Weiterentwicklung vorangetrieben wurde, war es bereits zu spät für dieses Jägerkonzept, das gegen die einfliegenden Bomberströme mehr als erfolgreich gewesen wäre. Weiterentwicklungen wie die Me 163C/D oder Me 263 kamen über das Planungsstadium nicht mehr hinaus. Technische Daten. Spannweite 9,3 m, Länge 5,9 m, Startgewicht 4.300 kg, als Antrieb diente ein Walter HWK 509A-2 Raketentriebwerk mit einem Standschub von 1700 kp, Hochgeschwindigkeit 890 km/h, Reichweite rund 80 km, bewaffnet mit zwei 30mm-Maschinenkanonen.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 517
A-4 lautete die offizielle Typenbezeichnung der Fernrakete 4, die unter dem Namen V2 weltweit bekannt wurde und als Urvater der heutigen Raumfahrt gilt. Es handelte sich hierbei um die erste Rakete der Welt, die als Fernrakete kontrolliert flog. Unter der Leitung von Dr. Walter Dornberger und Wernher von Braun entstand die A-4 ab 1937 in Peenemünde. Dort fand nach mehreren Fehlversuchen am 3.10.1942 der erste geglückte Start statt, bei dem die Rakete eine Höhe von 80 km erreichte und dabei 182 km weit flog. Später gelang es, die Reichweite auf mehr als 400 km zu steigern. Während von Braun bereits mit der Konstruktion von mehrstufigen Interkontinental-Raketen (A-9/A-10) beschäftigt war, ging die A-4 in Massenproduktion, die allerdings unter den massiven Bombenangriffen der Alliierten und unter der immer schlechter werdenden Rohstofflage litt. Von ausschließlich zu diesem Zweck gebauten fahrbaren Rampen aus wurden dennoch 3.215 Raketen des Typs A-4 abgefeuert, davon 1115 auf London, die anderen auf Brüssel, Antwerpen und Lüttich. Weil die A-4 durch die Stratospähre flog und dabei mehrfache Schallgeschwindigkeit erreichte, gab es, anders als bei der V1, damals keinerlei Abwehrmöglichkeiten. Hoch waren allerdings der Arbeitsaufwand von 13.000 Stunden und der Fertigungspreis von 75.000.-RM. Eine originale A-4 steht heute im Deutschen Museum in München.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 11, 12
A-9/A-10 war eine deutsche Zweistufenrakete, die auch unter dem Namen "Amerika-Rakete" bekannt wurde. Bis Kriegsende wurde ein Prototyp fertig, der später der US-Raumfahrt als Grundlage diente. Die Gesamtrakete war doppelt so hoch wie die A-4 (V2). Die Antriebstufe, A-10, verfügte über ein völlig neu entwickeltes Triebwerk, das nach dem Ausbrennen in 180 km Höhe an einem Fallschirm niedergehen sollte. Die Flugstufe, A-9, war eine verbesserte A-4 und sollte nach der Trennung von der Antriebsstufe mit eigener Kraft rund 5.000 bis 6.000km weit fliegen. Sie hätte ermöglicht, die amerikanische Großstädte mit Bomben zu belegen.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 12
Nordmann, Theodor, Major und einer der erfolgreichsten Piloten des 2. Weltkrieges, Geboren am 18.12.1918 in Dorsten, 19.01.1945 in Ostpreußen gefallen. Am 01.11.1937 trat er in die Luftwaffe ein und wurde am 01.12.1938 zur Aufklärungsgruppe 11 kommandiert, danach wurde er in Gatlow weiter ausgebildet und am 28.08.1939 zum Leutnant befördert. Am selben Tag erfolgte seine Versetzung zur Stukaschule. Am 31.03.1940 befand er sich dann in der I. Gruppe des Geschwaders 186. Er nahm am Westfeldzug teil und erhielt am 29.08.1940 das EK I. Im Februar 1941 fiel der Motor seiner Maschine über dem Mittelmeer aus, und er trieb 28 Stunden lang im Wasser, ehe man ihn auffischte. Im Mai 1941 flog er Einsätze gegen Kreta und war ab Juni 1941 im Osten eingesetzt. Dort war er vom ersten Tag an einer der erfolgreichsten Piloten seiner Gruppe. Am 17.09.1941 erhielt er das Ritterkreuz. Am 20.08.1942 flog er bereits seinen 800. Einsatz. Einige Tage später wurde er zur Erprobungsstelle der Luftwaffe nach Rechlin kommandiert. Nach mehreren Meldungen gelang es ihm, im Dezember 1942 wieder zum Fronteinsatz zu kommen. Am 01.02.1943 meldete er seinen 900. Einsatz. Hierfür erhielt er am 16.03.1943 das Eichenlaub. Am 01.04. 1943 Beförderung zum Hauptmann, am 14.08.1943 Ernennung zum Kommandeur der II. Gruppe im Stuka-Geschwader 3, am 01.04.1944 Beförderung zum Major, da war er 25 Jahre alt! Wenige Tage später flog er seinen 1000. Einsatz. Im August 1944 flog er seinen 1.111. Einsatz und erhielt am 17.09.1944 die Schwerter. Am 19.01.1945 startete er zu seinem 1191. und letzen Flug. Bei schlechtem Wetter in der Gegend von Insterburg stieß er mit seinem Rottenflieger zusammen. Beide Piloten fanden dabei den Tod.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 580
Göring, Wilhelm Hermann, deutscher Reichsmarschall und Reichsluftfahrtsminister, Geboren 12.1.1893 in Rosenheim, Gestorben 15.10.1946 in Nürnberg. Während des 1. Weltkrieges meldete der junge Infanterist sich zur Luftwaffe und wurde im Herbst 1914 Flieger. Seine ersten Erfolge als Jagdflieger errang er 1916 und erlebte das Kriegsende als Kommodore des Jagdgeschwaders Richthofen. Nach dem Krieg war er als Zivilflieger in Dänemark und Schweden tätig. 1922 trat er in die NSDAP ein und nahm 1923 am Marsch auf die Feldherrnhalle teil, wobei er verwundert wurde. Zur Linderung der Schmerzen erhielt er Morphium, an das er sich im Laufe der Jahre immer mehr gewöhnte. 1927 ging er als Hitlers persönlicher Beauftragter nach Berlin, 1928 zog er als NSDAP-Abgeordneter in den Reichstag ein. 1932 wurde zum Reichspräsidenten gewählt und behielt dieses Amt bis Kriegsende. Nach der Machtergreifung zu Beginn des Jahres 1933 erfolgte seine Ernennung zum Reichsminister, dann zum Kommissar für Luftfahrt und zum preußischen Ministerpräsidenten, im Herbst des Jahres dann zum Reichsluftfahrtminister. 1934 übernahm er auch das Amt des preußischen Innenministers und wurde Chef der Geheimen Staatspolizei des Landes Preußen. Als die bis dahin im geheimen aufgebaute deutsche Luftwaffe 1935 offiziell wurde, war er auch Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Außerdem erhielt er im selben Jahr auch die Ämter des Reichsforst- und Jägermeisters übertragen. 1936 wurde er zusätzlich noch Beauftragter zur Durchführung des Vierjahresplanes. 1938 Beförderung zum Generalfeldmarschall. 1940 schuf man für ihn den neuen Titel Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches , gleichzeitig wurde er designierter Nachfolger Hitlers und Vorsitzender des Ministerrats für die Reichsverteidigung. Im April 1945 setzte er sich mit seinen Stab nach Berchtesgaden ab. Hitler ließ ihn dort von der SS unter Hausarrest stellen und aller Ämter entheben. Am 8.5.1945 verhafteten ihn die Amerikaner und stellten ihn in Nürnberg vor ihr Siegertribunal, von dem er am 1.10.1946 zum Tode verurteilt wurde. Seiner Hinrichtung entzog er sich am 15.10.1946 durch Selbstmord mit Zyankali. Er verfasste u.a. Aufbau einer Nation (1934).
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 283
http://www.bibl.u-szeged.hu/bibl/mil/ww2/who/pics/schorner.jpg
Schörner, Ferdinand, Generalfeldmarschall und letzter Oberbefehlshaber des Heeres, Geboren am 12.06.1892 in München, Gestorben am 02.07.1973 in München. Der Berufssoldat trat 1911 in das Heer ein, nahm am 1. Weltkrieg als aktiver Offizier teil und wurde, zusammen mit Erwin Rommel, wegen Tapferkeit 1917 bei Caporetto mit dem Pour le merite ausgezeichnet. Nach Kriegsende wurde er von der Reichswehr übernommen. 1937 zum Oberstleutnant befördert, nahm er 1940 am Westfeldzug teil und wurde am 01.08.1940 zum Generalmajor befördert. 1941 erhielt er das Kommando über eine Gebirgsjägerdivision, mit der er am Balkanfeldzug teilnahm. Am 20.04.1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Am 15.01.1942 wurde er Kommandierender General des XIX. Gebirgskorps und am 27.01.1942 erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant. Seine Beförderung zum General der Gebirgstruppen erfolgte am 01.06.1942. Am 01. 10.1942 übernahm er das Oberkommando über ein Panzerkorps an der Ostfront. Mit dem Eichenlaub wurde er am 17.02.1944 ausgezeichnet. Im März 1944 war er für etwa zwei Wochen Chef des NS-Führungsstabes im Oberkommando des Heeres, übernahm Ende des Monats die Heeresgruppe Süd und wurde am 01.04.1944 Generalobersten befördert. Am 20.07.1944 übernahm er die Heeresgruppe Nord, wurde am 01.01.1945 mit dem Brillanten ausgezeichnet, übernahm a, 18.01.1945 die Heeresgruppe Mitte, hielt ab Januar die schlesische Front und wurde von Hitler am 05.04.1945 zum Generalfeldmarschall befördert. Durch seine eiserne Härte, bei der er vor Todesurteilen nicht zurückschreckte, hielt er die Ostfront so lange wie möglich zusammen und ermöglichte vielen Trecks das Durchkommen. Hitler bewunderte seine Fähigkeiten und machte ihn in seinem politischen Testament 30.04.1945 zum Oberbefehlshaber des Heeres . Er ergab sich mit den Resten der Heeresgruppe Mitte erst am 11.05.1945 in Böhmen und schlug sich zu den US-Truppen durch. Die Amerikaner lieferten ihn dann an die Sowjetunion aus, wo er zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. 1955 kam er aus der sowjetischen Gefangenschaft zurück nach BR.Deutschland, wo er 1957 in München wegen Erschießungsbefehlen für deutsche Soldaten zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt wurde. 1959 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus der Haft entlassen.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 737, 738
Nationalsozialistische Erziehungsanstalt, kurz Napola genannt (offizielle Abkürzung NPEA), war ein Internat mit Gymnasium, das zur Hochschulreife führte. 1933 entstanden die ersten drei dieser Anstalten in früheren Kadettenanstalten. Sie wurden vom Reichserziehungsminister Wilhelm Rust gegründet und unterstanden ihm ab 1941 persönlich. Bis 1941 wurden vom weitere 29 Anstalten erstellt, von denen drei für weibliche Zöglinge vorgesehen waren, insgesamt 46 bis Kriegsende. In jeder Napola befanden sich durchschnittlich 500 Schüler in den Altersklassen von 10 bis 18 Jahren. Die Aufnahmeprüfungen waren schwer und erfassten auch die rassische Eignung. Neben der wissenschaftlichen Erziehung wurde ebensoviel Wert auf die sportlichen Ertüchtigung und weltanschauliche Schulung gelegt.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S.564
Wlassow, Andrej Andrejwitsch, sowjetischer Generalleutnant und Führer der Wlassow-Armee, 1.9.1900 in Komkino geboren, am 2.8.1945 in Moskau hingereichtet. Der Berufssoldat trat 1919 in die Rote Armeee ein, wurde 1930 Mitglied der KPdSU und war in den Jahren 1938/39 als Militärberater bei Tschiang-kai-schek tätig. 1939 übernahm er als Kommandeur die sowjetische 99. Schützendivision und wurde 1941 Kommandierender General der sowjetischen IV. Panzerkorps. Im September 1941 wurde er Oberbefehlshaber der sowjetischen 37. Armee und am 30.11.1941 der 20 Armee. Anfang 1942 übernahm er die sowjetische 2. Stoßarmee und wurde in den Kessel von Wolchow eingeflogen. Dort geriert er am 11.7.1942 unter Kriegsgefangenschaft. Am 10.9.1942 unterzeichnet er das erste Flugblatt, das sowjetische Soldaten zum Überlaufen auffordert. Am 27.12.1942 gründete er das "Smolensker Komitee", das zur Befreiung Russlands vom Kommunismus aufrief. In der Folgezeit versuchte er, aus russischen Freiwilligen eine Armee zum Kampf gegen die Rote Armee aufzustellen. Von deutscher Seite wurde er aber bis Ende 1944 kaum unterstützt, und so gelang es ihm erst im November 1944 aus Kriegsgefangenen und Freiwilligen die Wlassow-Armee aufzustellen, die aber nicht mehr als zwei unfertige Divisionen umfasste und in den letzten Kriegsmonaten im Osten zum Einsatz kam. Im Mai 1945 stellte er sich bei Prag dann mit seinen Offizieren den US-Truppen, die ihn und seine Leute einige Tage später an die Sowjetunion auslieferten. Nach einem Schauprozess wurde er am 2.8.1946 in Moskau gehenkt.
Wlassow-Armee wurde eine aus russischen Freiwliigen bestehende Truppe genannt, die unter Kommando des ehemaligen sowjetischen Generalleutnants Andrej Andrejwitsch Wlassow ab Ende 1944 auf deutscher Seite gegen die Sowjetunion kämpfte. Der im Sommer 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft geratene Wlassow arbeitete bereits nach wenigen Wochen mit deutschen Dienststellen zusammen , verfasste Flugblätter und gründete das "Smolensker Komitee". Ab Ende 1942 versuchte er, eine Freiwilligenarmee aus Russen aufzustellen, die gegen den Kommunismus kämpfen sollte. Dies scheiterte aber zwei Jahre am Misstrauen verschiedener deutscher Dienststellen. Auch Hitler äußerte sich sehr zurückhaltend über diesen Plan. Erst die Unterstützung des Reichsführers SSS Heinrich Himmler machte es dann gegen Ende des Jahres 1944 möglich, dass Wlassow Freiwillige aus den deutschen Gefangenlagern bekam. Bis zum Februar entstand so seine 1. Division, die 2. wurde danach neu aufgestellt, blieb aber unfertig. Bei verschiedenen Einsätzen an der Ostfront im März und April 1945 zeigten sich die Angehörigen des Wlassow-Armee meist als tapfere Kämpfer, blieben aber ohne größere Erfolge. Bei Kriegsende im Mai 1945 stellten Wlassow und seine Offiziere sich den US-Truppen in der Tschechoslowakei, wurden aber wenige Tage später an die Sowjetunion ausgeliefert, ähnlich den Kosaken.
Quelle: Ludwig Peters, Volkslexikon Drittes Reich, S. 907, 908
Richter Freisler
09-30-2006, 02:48 PM
Judenboykott, Bezeichnung für den Boykott jüdischer Geschäfte in Deutschland am 1.4.1933. Vorgeschichte: Kaum war Hitler zu Beginn des Jahres 1933 an der die Macht gekommen, begann die Presse in Großbritannien und Frankreich und den USA gegen das Deutsche Reich zu hetzen. Dies führte bald zu zahlreichen Demonstrationen gegen Deutschland, so am 23.3.19333 in den USA. Als Höhepunkt dieser Machenschaften erschien am 24.3.1933 auf der Titelseite der angesehenen Londoner Zeitung "Daily Express" ein Artikel mit dem Titel: "Judäa erklärt Deutschland den Krieg". Hierin wurde mitgeteilt, daß die Juden weltweit von nun an einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland führen würden. Als Reaktion darauf wurde im Deutschen Reich für einen Tag, den 1.4. 1933, ein allgemeiner Boykott aller jüdischen Banken, Geschäfte, Ätzte, Rechtsanwälte und sonstigen Firmen durchgeführt , bei dem SA-Männer in Uniform vor den entsprechenden Firmen Wache standen. Fotos von diesem Boykotttag werden auch heute noch als Beweis dafür angesehen, daß die jüdischen Firmen während der gesamte Zeit des 3. Reiches boykottiert wurden, was zumindest in der Vorkriegszeit nicht den Tatsachen entsprach.
S. 390, Volkslexikon Drittes Reich, Ludwig Peters
Nationalsozialistische Erziehungsanstalt, kurz Napola genannt (offizielle Abkürzung NPEA), war ein Internat mit Gymnasium, das zur Hochschulreife führte. 1933 entstanden die ersten drei dieser Anstalten in früheren Kadettenanstalten. Sie wurden vom Reichserziehungsminister Wilhelm Rust gegründet und unterstanden ihm ab 1941 persönlich. Bis 1941 wurden weitere 29 Anstalten erstellt, von denen drei für weibliche Zöglinge vorgesehen waren, insgesamt 46 bis Kriegsende. In jeder Napola befanden sich durchschnittlich 500 Schüler in den Altersklassen von 10 bis 18 Jahren. Die Aufnahmeprüfungen waren schwer und erfassten auch die rassische Eignung. Neben der wissenschaftlichen Erziehung wurde ebensoviel Wert auf die sportliche Ertüchtigung und weltanschauliche Schulung gelegt.
S.564, Volkslexikon Drittes Reich, Ludwig Peters
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