Arminius
12-18-2006, 08:55 PM
http://www.solothurner-zeitung.ch/pages/index.cfm?dom=30&rub=100004740&nrub=0&sda=1&Artikel_ID=101442672
Werden Weihnachtsfeiern an Schulen bald verboten? Dürfen Schweizer ihre Religion nicht ausleben? Was in den letzten Tagen zu heftigen Diskussionen führte, ist in Solothurn scheinbar weniger problematisch. Konflikte sind keine bekannt.
«Das Problem existiert nicht», ist sich Albert Weibel sicher. Als Integrationsdelegierter des Kantons sei ihm nicht bekannt, dass die Abschaffung von Weihnachtsfeiern an öffentlichen Schulen je zur Diskussion gestanden hätte. In den letzten Tagen wurde es aber zum Thema gemacht. Die grundlegende Frage ist, ob Feiern an Schulen gefährdet sind, weil der Anteil nicht-christlicher Kinder steigt.
«Ich wüsste nicht, dass es wegen Muslimen an schulischen Weihnachtsfeiern in den letzten zehn Jahren je ein Theater gegeben hätte», bekräftigt Andreas Walter, neu gewählter Chef des solothurnisch-kantonalen Amts für Volksschule und Kindergarten (AVK). Es sei Aufgabe der Schulen, sich um Inhalte und Durchführung solcher Veranstaltungen zu kümmern. Die Schulen würden grundsätzlich profan agieren, seien aber durchaus berechtigt, das Brauchtum zu pflegen. «Kinder – egal welchen Glaubens – sollten lernen, mit der religiösen Vielfalt zu leben», meint Walter.
Weniger religiöse Weihnachtsfeiern
Das kantonale Volksschulgesetz bestimmt, dass die Volksschule «die Glaubens- und Gewissensfreiheit zu respektieren» und die «Achtung der heimatlichen Eigenart zu wecken» habe. Diese beiden Vorgaben spiegeln sich in der Praxis wider. «In unserer multikulturellen Gesellschaft müssen wir gewisse Kompromisse eingehen», sagt Hans-Hugo Rellstab, Vorsteher der Zuchwiler Schulen. Über 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind hier Ausländer. Dieter Gunzinger, Oberstufenleiter, erklärt, dass man sich dabei bemühe, die Traditionen zu erhalten, aber gleichzeitig auf stark christliche Symbolik zu verzichten.
Ebenfalls mehr kulturell als religiös feiern die Grenchner Schulen. Es brauche Raum für alle Kulturen, sagt Roger Kurt, Schulleiter der Sekundarschule. Die Oberstufenschülerin Ayca stammt aus einer muslimischen Familie und geht in Grenchen zur Schule. In ihrer Klasse werden zu den Festtagen Weihnachtslieder gesungen. «Ich mache mit. Damit habe ich keine Probleme, auch wenn wir Zuhause keine Weihnachten feiern», sagt sie unbekümmert. Auch ihre muslimischen Mitschüler würden sich jeweils daran beteiligen.
Heinz Bader, Lebenskundelehrer in Balsthal, weiss, dass Verständigungsarbeit elementar ist. «Einige Lehrer stehen mit einem Fuss in der Kirchentür und möchten am liebsten dreimal ‹Stille Nacht› singen. Es ist aber klar, dass das nicht geht.» Austausch und der Einbezug Andersgläubiger sei für eine Gemeinschaft wichtig. In den Ortsschulen feiern jeweils alle Schüler gemeinsam.
Keine Schüler dispensiert
Die Vollzugsverordnung des Volksschulgesetzes hält fest, dass der Schulleiter andersgläubige Schüler an religiösen Feiertagen dispensieren kann. Das hält auch Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands (LCH) in gewissen Fällen für angebracht. «Solche Dispensationen für die Weihnachtsfeier mussten wir bisher nicht erteilen», sagt Kuno Flury, Gesamtschulleiter der Schulen Balsthal. Auch in Grenchen und Zuchwil ist es nie zu solchen Anträgen gekommen. «Hypothetisch gesehen, könnten Schüler durchaus dispensiert werden. Ein Bedürfnis bestand bisher nicht», erklärt Rellstab.
Es dürfte im Sinne von Weihnachten sein, wenn die Festtage die Menschen zusammenführen, statt sie auseinanderzutreiben... (mz/ufl)
Werden Weihnachtsfeiern an Schulen bald verboten? Dürfen Schweizer ihre Religion nicht ausleben? Was in den letzten Tagen zu heftigen Diskussionen führte, ist in Solothurn scheinbar weniger problematisch. Konflikte sind keine bekannt.
«Das Problem existiert nicht», ist sich Albert Weibel sicher. Als Integrationsdelegierter des Kantons sei ihm nicht bekannt, dass die Abschaffung von Weihnachtsfeiern an öffentlichen Schulen je zur Diskussion gestanden hätte. In den letzten Tagen wurde es aber zum Thema gemacht. Die grundlegende Frage ist, ob Feiern an Schulen gefährdet sind, weil der Anteil nicht-christlicher Kinder steigt.
«Ich wüsste nicht, dass es wegen Muslimen an schulischen Weihnachtsfeiern in den letzten zehn Jahren je ein Theater gegeben hätte», bekräftigt Andreas Walter, neu gewählter Chef des solothurnisch-kantonalen Amts für Volksschule und Kindergarten (AVK). Es sei Aufgabe der Schulen, sich um Inhalte und Durchführung solcher Veranstaltungen zu kümmern. Die Schulen würden grundsätzlich profan agieren, seien aber durchaus berechtigt, das Brauchtum zu pflegen. «Kinder – egal welchen Glaubens – sollten lernen, mit der religiösen Vielfalt zu leben», meint Walter.
Weniger religiöse Weihnachtsfeiern
Das kantonale Volksschulgesetz bestimmt, dass die Volksschule «die Glaubens- und Gewissensfreiheit zu respektieren» und die «Achtung der heimatlichen Eigenart zu wecken» habe. Diese beiden Vorgaben spiegeln sich in der Praxis wider. «In unserer multikulturellen Gesellschaft müssen wir gewisse Kompromisse eingehen», sagt Hans-Hugo Rellstab, Vorsteher der Zuchwiler Schulen. Über 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind hier Ausländer. Dieter Gunzinger, Oberstufenleiter, erklärt, dass man sich dabei bemühe, die Traditionen zu erhalten, aber gleichzeitig auf stark christliche Symbolik zu verzichten.
Ebenfalls mehr kulturell als religiös feiern die Grenchner Schulen. Es brauche Raum für alle Kulturen, sagt Roger Kurt, Schulleiter der Sekundarschule. Die Oberstufenschülerin Ayca stammt aus einer muslimischen Familie und geht in Grenchen zur Schule. In ihrer Klasse werden zu den Festtagen Weihnachtslieder gesungen. «Ich mache mit. Damit habe ich keine Probleme, auch wenn wir Zuhause keine Weihnachten feiern», sagt sie unbekümmert. Auch ihre muslimischen Mitschüler würden sich jeweils daran beteiligen.
Heinz Bader, Lebenskundelehrer in Balsthal, weiss, dass Verständigungsarbeit elementar ist. «Einige Lehrer stehen mit einem Fuss in der Kirchentür und möchten am liebsten dreimal ‹Stille Nacht› singen. Es ist aber klar, dass das nicht geht.» Austausch und der Einbezug Andersgläubiger sei für eine Gemeinschaft wichtig. In den Ortsschulen feiern jeweils alle Schüler gemeinsam.
Keine Schüler dispensiert
Die Vollzugsverordnung des Volksschulgesetzes hält fest, dass der Schulleiter andersgläubige Schüler an religiösen Feiertagen dispensieren kann. Das hält auch Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands (LCH) in gewissen Fällen für angebracht. «Solche Dispensationen für die Weihnachtsfeier mussten wir bisher nicht erteilen», sagt Kuno Flury, Gesamtschulleiter der Schulen Balsthal. Auch in Grenchen und Zuchwil ist es nie zu solchen Anträgen gekommen. «Hypothetisch gesehen, könnten Schüler durchaus dispensiert werden. Ein Bedürfnis bestand bisher nicht», erklärt Rellstab.
Es dürfte im Sinne von Weihnachten sein, wenn die Festtage die Menschen zusammenführen, statt sie auseinanderzutreiben... (mz/ufl)